Ihr Lieben, Jessi steht vor dem Liebes-Aus. Schon länger hat sie das Gefühl, dass sie die Trennung will, traut sich aber einfach nicht, den endgültigen Schritt zu tun. Sie weiß selbst nicht genau, wieso. Sie weiß nur: Der Alltag hat ihre Beziehung gekillt.
Liebe Jessi, du hast das Gefühl, dich von deinem Partner trennen zu wollen…
Ja, seit der Geburt unserer zweiten Tochter habe ich viele Jahre lang nur funktioniert. Wir haben beide Kinder mit nur 15 Monaten Abstand bekommen. Beide Kinder schlafen schlecht und ich somit auch. Wir haben uns darüber irgendwie verloren, so denke ich.
Wie exakt fühlt sich das an bei dir?
Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich meinen Mann nicht mehr als meinen Mann liebe, sondern eher als Familienmitglied. Wir sind eine eher nicht gut funktionierende WG. Seit der zweiten Geburt läuft auch nichts Sexuelles mehr. Ich mag mich auch nicht mehr umarmen lassen oder so.
Wie findet er das denn? Besprecht ihr das? Gibt´s noch liebe Worte? Schlaft ihr noch im gleichen Bett?
Wir reden überhaupt sehr selten miteinander, meist ist es nur ein Austauschen von Informationen. Was liegt an, was muss gemacht werden? Sowas. Wir schlafen seit der Geburt der kleinen in getrennten Zimmern, aus mehreren Gründen. Ich kann mir aber auch einfach nicht mehr vorstellen, neben ihm zu liegen. Und möchte es auch ehrlich gesagt nicht mehr.
Das klingt nach einem Liebes-Aus von deiner Seite. Seit wann trägst du dieses Gefühl mit dir herum?
Wie gesagt: Begonnen hat es mit der zweiten Geburt, aber so akut seit circa 1,5 Jahren.
Was hat bislang dazu geführt, dass du den Schritt der Trennung noch nicht gewagt hast? Wovor hast du Angst?
Puuh, gute Frage, es spielt schon auch die Sorge vor Armut im Alter mit rein. Aber wenn ich ehrlich bin, auch, was andere sagen könnten. Ich fürchte mich vor dem Verlust des familiären Rückhalts aus seiner Familie. Finanziell gesehen denke ich schon, dass ich das irgendwie packen würde als Alleinerziehende. Ich arbeite als Verkäuferin in Teilzeit.
Was genau macht dich derzeit so unglücklich in deiner Partnerschaft?
Puuh, alles? Ich bin genervt, sobald ich ihn sehe.
Wie kommt das? Sagt er doofe Sachen? Ist er sehr laut? Polterig? Unselbständig? Unsensibel? Macht eigentlich nur mehr Wäsche?
Es sind viele verschiedene Sachen. Zum Beispiel liegt er jedes Wochenende morgens bis um 9 im Bett und lümmelt rum, das würde ich auch super gerne mal machen. Reden hilft da leider nicht. Oder wenn dieselben Sachen 10.000mal nicht gemacht werden und dann, uups sorry vergessen.
Was meinst du, würde besser werden, wenn ihr nicht mehr zusammen wärt?
Ich glaube, ich wäre einfach weniger genervt und könnte wieder freier Ich sein.
Hält er dich klein? Was kannst du nicht tun, wenn er da ist? Wo und wie würdest du dich befreit fühlen? Ist er nett oder doof zu den Kindern? Hilft er auch mal oder nie?
Nein, wenn er sich um die Kinder kümmert, ist er toll zu ihnen. Wenn ich da bin, muss er das ja aber nicht, sondern nur nach Aufforderung.
Sprichst du mit Menschen in deinem Umfeld darüber?
Letzen Sommer habe ich meinen Geschwistern angedeutet, dass ich mich gerne trennen würde, dass ich aber nicht weiß, wann und wie genau. Meine zwei engsten Freundinnen wissen es auch.
Was sagen deine Freundinnen dazu? Raten sie dir zur Trennung oder warnen sie dich?
Geteilte Meinungen, der größte Teil sagt, es wäre besser, mich zu trennen. Wenn ich glücklich bin, werden es die Kinder auch. Eine Freundin rät mir zur Eheberatung. Diese hat mein Mann aber schon vor 3 Jahren abgelehnt.
Du sagst, für deinen Mann ist immer alles in Ordnung und nach jedem Streit alles wieder gut. Langweilt dich das vielleicht auch ein bisschen?
Hmm, nee, das würde ich eher nicht sagen. Aber mich nervt, dass er mich nicht ernstnimmt. Oder immer alles einfach abtut.
In welchen Situationen nimmt er dich nicht ernst, hast du ein Beispiel?
Wenn ich sage, dass ich nicht mehr kann und will. Oder auch manchmal: ich soll mich nicht so anstellen. Selten, aber diese Sprüche vergesse ich nicht. Gerade in Phasen, in denen es sehr wenig Schlaf für mich gibt.
Ihr wart mal verliebt, was ist über die Zeit verloren gegangen – und wie?
Ich würde sagen, es ist einfach der Alltag…

Was an eurem Alltag macht die Liebe kaputt? Habt ihr keine Zeit mehr zu zweit? Keine Wertschätzung? Musst du alles immer allein machen? Wie ließe sich das in einer weiteren Beziehung vermeiden?
Ich würde sagen, genau das trifft es auf den Punkt. Keine Zeit zu zweit, abends gehe ich aber auch lieber ins Bett lesen statt gemeinsam vor dem Fernseher zu sitzen. Ich fühle mich null wertgeschätzt.
Hättest du Lust, die Ehe zu retten oder bist du innerlich schon ganz auf Absprung?
Ich bin gefühlsmäßig schon weit weg.
Wie stellst du dir eine glückliche Beziehung vor?
Eine Beziehung auf Augenhöhe – mit sexueller Anziehung.
Kannst du hier noch konkreter werden? Mit Lachen? Ideen? Gemeinsamen Ausflügen oder Hobbys, wonach sehnst du dich, was würde dir Spaß und Freude bereiten? Ein Typ, der mit anpackt? Mit dem du diskutieren kannst? Der dich wertschätzt? Auf Händen trägt?
Ich möchte gar nicht auf Händen getragen werden. Ich möchte jemanden, der sich einfach alleine um sich selbst kümmern kann. Denn das kommt noch dazu. Dass ich nämlich keinen Mann, sondern gefühlt ein drittes Kind habe. Aktuell würde ich auch sagen, dass ich gar keinen neuen Partner möchte, geschweige denn mir einen vorstellen könnte.
Ich überlege einfach schon so lange, mich zu trennen und habe bisher immer gewartet. Warten, dass die Kinder aus dem Babyalter sind, warten, bis die Kids größer sind, warten, dass ich wieder arbeiten gehe, warten warten warten. Aber es wird einfach nicht besser. Weder zuhause noch mein Empfinden dazu. Ich traue mich aber einfach nicht, zu sagen: Ich möchte die Trennung. Ich weiß auch nicht, warum das so ist, ich hatte in der Vergangenheit nie Schwierigkeiten damit, mich zu trennen.
