Alpen, Baby: Das Leben ist wie eine Wanderung mit Höhen und Tiefen

Alpen, Baby

Juhu, heute geht´s in die Alpen, Baby! Warum? Nun, mit Schwangerschaft und Geburt des ersten Kindes stellen sich viele Eltern ganz neue Fragen. Bei Sophie waren das nochmal mehr, zum Beispiel: Darf ich als Schwangere noch bergsteigen? Ab wann und wie weit kann ich mit meinem Kind wandern? Was packe ich in meinen Kinder-Wander-Rucksack? Darf mein Kind mit drei Jahren schon klettern? Was ziehe ich meinem Baby in der Kraxe an?

Sophie Folger ist Outdoor-Enthusiastin, Zweifach-Mama und Gründerin des erfolgreichen Instagram-Kanals und Blogs @alpenbaby. Auf all diese und viele weitere Fragen hat sie Antworten für uns parat. Sie weiß: Das Outdoor-Leben macht mit Kind(ern) noch viel mehr Spaß! Mit ihnen zusammen lebt sie im oberbayerischen Oberaudorf. Dass trotz ihres strahlenden Foto-Lächelns auch mal schwierige Situationen zu meistern sind, erzählt sie uns im Interview, denn ihr zweites Kind kam mit ordentlichen Startschwierigkeiten zur Welt…

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Liebe Sophie, hast du beim Wandern gelernt, mit Höhen und Tiefen, mit Aufs und Abs, besser umzugehen? 

Ich war auch vor meinen Schwangerschaften schon viel in den Bergen unterwegs. Nicht nur beim Wandern, auch beim Klettern, Skibergsteigen, Skifahren und Langlaufen. Die Berge geben mir eine ungemeine Ruhe, ein Gefühl von Freiheit und auch das Wissen, dass man selbst ganz, ganz klein und ein „nichts“ ist im Vergleich zu diesen überwältigenden und jahrtausendealten Felsgipfeln. Deswegen würde ich sagen: Ja! Der Bergsport hat mich resilienter gemacht, widerstandsfähiger und demütiger. Das hilft mir definitiv auch mit den Kindern.

Deine zweite Tochter Leni kam als Frühchen zur Welt, brauchte einige OPs, was genau war da los?

Leni kam nach Fehlgeburten und langer Kinderwunschzeit in der 31. SSW mit einer großen Omphlozele, einem Bauchwanddefekt, zur Welt. Wir haben nach der Geburt einige Monate auf Intensivstation verbringen müssen und müssen nach wie vor jedes Jahr zu einer Operation mehrere Wochen in die Klinik, damit irgendwann ihre Organe alle dort sind, wo sie sein sollen. Trotz dieses wahnsinnig harten Starts ins Leben entwickelt sie sich besser, als wir jemals zu träumen gewagt haben und wir sind froh, dass die kleine Kämpfermaus endlich da ist!

Du hast dann auch noch einen Babyblues entwickelt… die Hormone, die Umstände… aber du bist keine, die sich in die Vergangenheit zurückdenkt, sondern nach vorn blickt, richtig?

Ich hab’ keinen Babyblues entwickelt. Ich habe mein Kind nach der Not-Sectio nicht gesehen, musste es direkt in den OP geben. Ich habe monatelang Milch abgepumpt und an ihrem Intensivbettchen ausgeharrt. Das ist kein Babyblues, das ist einfach das Schlimmste, das einer Mutter passieren kann. Nach der Geburt ohne Baby nachhause fahren zur großen Tochter. Das bricht einem das Herz. 

Auf deinen Fotos aus den Alpen strahlst du auf jedem Bild mit der Sonne um die Wette, woher nimmst du deinen Optimismus?

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Ich bin so unendlich dankbar für das, was mir das Leben gibt. Da gibt es gar keinen Grund, nicht zu strahlen! Ich bin mein ganzes Leben lang so viel gereist, habe so viel Armut gesehen, aber auch so viele glückliche, freundliche, hilfsbereite Menschen, die so viel weniger hatten als wir alle. Das hat mir wohl genug Dankbarkeit und Demut für mein restliches Leben gelehrt.

Bist du in deiner eigenen Kindheit schon viel draußen und in der Natur gewesen? 

Ja! Immer! Danke an meine Eltern an dieser Stelle! 🙂 Meine beiden Omas haben beide mitten in den Bergen gelebt und ich habe so schon meine gesamten Ferien immer am Berg verbracht. Und auch mit meinen Eltern war es völlig normal, dass wir jeden Nachmittag draußen verbringen. Im Wald, im Feld, oder einfach nur am Spielplatz. Ich bin auch ein kleiner Sonnen-Süchtling, kann einfach nicht drin sein, wenn es draußen schön ist!

Ab welchem Alter dürfen deine Kinder kraxeln und klettern?

Sie dürfen immer! Sobald sie wollen! Kinder liieben es zu klettern und stellen sich dabei auch richtig, richtig gut an. Das Verhältnis von Kraft zu Körpergewicht ist bei den Kleinen einfach unschlagbar gut, sie haben weniger Angst und bewegen sich an Fels und Kletterwand intuitiv richtig. Leni kraxelt momentan am liebsten auf den Couchtisch, Louise ist gerade ihre erste Route am Seil alleine vorgestiegen.

In der Boulderhalle macht es mit Kids ab ca. 2 Jahren richtig Spaß. In vielen Boulderhallen gibt es Kinderbereiche, wo die Kinder an niedrigen Wänden in Absprunghöhe mit weichen Matten darunter ihre ersten Kletter-Versuche starten können. Am Seil klettern klappt je nach Kind ab ca. 3-4 Jahren. Das aber natürlich nur im Nachstieg und wenn die Eltern über die nötigen Sicherungskenntnisse verfügen. 

Ich weiß noch, wie doof ich spazieren gehen mit den Eltern als Kind fand: Wann bekommen deine Kinder Wutanfälle? 

Louise, die Große, mit 6 Jahren zum Glück fast nicht mehr. Da spielen sich schon andere Teenie-Dramen ab 🙂 Und Leni beginnt mit ihren 14 Monaten grade mit ihren ersten Wutanfällen. Den letzten hatte sie gestern beim Skifahren: sie wollte mit ihren Mini-Ski unbedingt auf dem Förderband fahren – das war aber ausgeschalten. Das Gebrüll ging so lang, bis die Skischule ihn extra für sie eingeschaltet hat. 

Aber generell gibt’s bei uns drinnen eindeutig mehr Knatsch als draußen in der Natur. Da sind wir alle ausgeglichener und zufriedener. Und wenn die Kids abends vor lauter frischer Luft müde ins Bett fallen, hat man sogar noch ein bisschen Paar-Zeit 🙂

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Alpen, Baby: Familienabenteuer in den Bergen

Du bezeichnest dich selbst als Outdoor-Enthusiastin: Was findest du das Schönste am Leben da draußen?

Die Freiheit! Die Weite! Die Stille! Diese hundert Millionen Abenteuer, die man draußen jeden Tag erleben kann! Egal ob man auf einen hohen Berg steigt, oder nur mit den Kids um den Block spaziert: es passieren jedes Mal unvorhergesehene Dinge, die Natur sieht jedes Mal anders aus und man ist danach immer glücklich, sich ins noch so kleine Abenteuer gestürzt zu haben.

Was möchtest du Familien mit auf den Weg geben, die vielleicht noch nicht so ganz in den Tritt gefunden haben?

Traut Euch! Habt keine Angst! Ihr findet Euren Weg! Wer mit seinen Kindern in die Berge will, muss nur unbedingt gaaaanz klein anfangen, sich kleine Ziele stecken und langsam steigern. So gibt’s Erfolgserlebnisse statt Überforderung und Enttäuschung. Lieber nur 100 Höhenmeter zur nächsten Alm spazieren und glücklich mit Kaiserschmarrn die Aussicht genießen, als sich große Gipfelziele stecken. Die Gipfel kommen von ganz allein – Schritt für Schritt…

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